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Wiesenweihe
Foto: A. Thaler

Wiesenweihe

 
Die Wiesenweihe (Circus pygargus ) ist eine der bedrohtesten Rote Liste-Greifvogelarten Österreichs und der EU (Anhang I), die ihre ursprünglichen Bruthabitate mit den großflächigen Verlusten von Feuchtgebieten, Überschwemmungsgebieten und Niedermooren weitgehend verloren hat.

 
Lediglich im Neusiedler See-Gebiet im Burgenland lebt eine kleine Brutpopulation von weniger als zehn Brutpaaren in noch annähernd ursprünglichen naturnahen Habitaten wie Verlandungszonen, Feuchtwiesen und Feuchtbrachen. Durch die Errichtung des Nationalparks Neusiedler See hat diese offenbar stabile Kleinpopulation heute einen weitgehenden Schutz erfahren.

Ansonsten brütet die Wiesenweihe in Österreich nur noch in Niederösterreich, wo sie so wie in anderen Vorkommensgebieten Europas – Schwerpunkte in Spanien, Frankreich und Osteuropa – mangels ausgedehnten Verlandungszonen von Feuchtgebieten und großflächig ausgeprägten Feuchtwiesen als bodenbrütende Greifvogelart überwiegend zu Getreide- beziehungsweise Ackerbruten übergegangen ist. Neben sehr unregelmäßigen Brutvorkommen im Weinviertel und in der Feuchten Ebene hat sich in den letzten Jahren ein bemerkenswertes Brutvorkommen von etwa 12 bis 15 Paaren im Waldviertel etabliert. Die Bruthabitate liegen dort in getreidedominierten, meist noch sehr rainreichen Ackerlandschaften mit Mähwiesen, Klee- und Luzernfeldern. In diesen Offenlandschaften hat die Wiesenweihe mehrere Quadratkilometer große Jagdgebiet, in denen hauptsächlich Feldmäuse, aber auch Heuschrecken und Kleinvögel wie Feldlerche oder Goldammer, erbeutet werden.

Durch die Anlage ihrer Nester in Getreidefeldern - seltener auch in Klee- oder Luzernefeldern sowie in Mähwiesen – fällt ein Großteil der Bruten den heutzutage früh einsetzenden Mahd- und Erntearbeiten zum Opfer. Das vom Land NÖ und dem Lebensministerium finanzierte und von der Forschungsgemeinschaft Wilhelminenberg (L. Sachslehner) durchgeführte Artenschutzprojekt hat daher in Wiesenweihen-Brutgebieten zunächst einmal den Schutz der Nestumgebung zum Ziel. Zu diesem Zweck wird anhand umfangreicher Kartierungsarbeiten und Beobachtungen die Lage der Wiesenweihen-Nestbereiche ermittelt und anschließend Verträge mit den Bewirtschaftern zur Brutplatz- und Habitatsicherung abgeschlossen. Die Bewirtschafter erhalten für den erhöhten Arbeitsaufwand und zur Abgeltung des zu erwartenden Ernteverlustes Prämien. So sollen Voraussetzungen für das Überleben dieser reizvollen, in Afrika überwinternden, kleinen Weihenart in Ostösterreich geschaffen werden. Das Projektjahr 2005 verlief sehr erfreulich und zehn Wiesenweihen-Brutpaare erzielten mit Hilfe der Schutzmaßnahmen Bruterfolg.
 
Weitere Infos: Dr. Leopold Sachslehner, Email: a9903861@unet.univie.ac.at
 
(Textentwurf für die Homepage des Lebensministeriums, L. Sachslehner, 10.1.2006)

24.01.2006,