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Waldrapp
Foto: J. Fritz

Waldrapp

Waldrappe (Geronticus eremita) waren in Österreich bis in das 17. Jhdt. verbreitet (u.a. Schlossberg in Graz und Mönchsberg in Salzburg). Heute ist der Wildbestand dieser Ibisvögeln auf eine Kolonie in Marokko beschränkt. Es gibt aber einen vitalen Zoobestand als Grundlage für Artenschutzprojekte.

 
Neben dem Schutz der letzten wilden Kolonie haben Forschungsprojekte und Machbarkeitsstudien in Bezug auf die Gründung weiterer Kolonien im ehemaligen Verbreitungsgebiet große Bedeutung. Österreichische Projekte (Waldrappteam, Konrad Lorenz Forschungsstelle Grünau, Tierpark Rosegg) sind dabei maßgebend. 
 
Waldrappe sind Zugvögel. Jungvögel kommen Anfang August in Zugstimmung. Natürlicherweise fliegen sie mit Altvögeln in das Wintergebiet und lernen so die Zugroute. Bei Zoonachkommen fehlen die erfahrenen Altvögel und damit die Möglichkeit eine entsprechende Zugtradition zu lernen.
 
Im Rahmen des Migrationsprojektes werden Nestlinge aus Zoobruten von menschlichen Zieheltern aufgezogen. Die Jungvögel werden trainiert ihren Zieheltern die mit Ultraleichtfluggeräten vorausfliegen zu folgen. Im Rahmen von bisher zwei Migrationen (2004 und 2005), die beide vom Lebensministerium gefördert wurden, konnten Vögel von Oberösterreich in die südliche Toskana geführt werden. Die Vögel fliegen dort frei und unabhängig, sind in guter Verfassung, können sich selbst ernähren und zeigen ein für junge Zugvögel typisches räumliches Verhalten. Wir erwarten, dass sie mit Erlangen der Geschlechtsreife nach zwei bis drei Wintern zurück nach Oberösterreich kommen um zu brüten.
 
Während der Migrationen wurden umfangreiche Daten zur Physiologie und zum Verhalten gesammelt. Die Erkenntnisse sollen die Durchführung weiterer menschengeleiteter Migrationen sowie das Management selbständig ziehender Populationen unterstützen. Weiters wurden in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Konrad Lorenz Forschungsstelle Grünau nahrungsökologische Daten in verschiedenen Regionen und Habitaten gesammelt. Waldrappe stochern Larven und Würmer aus dem Boden. Sie sind auf kurzrasige Flächen angewiesen und erweisen sich als Kulturfolger und als Zeigerart für Flächen mit reichem Bodenleben. Am meisten Nahrung finden sie in ökologisch bewirtschafteten Kulturflächen bzw. auf Viehweiden.
 
Die zukünftigen Aktivitäten des Waldrappteams und der weiteren österreichischen Projektbetreiber, orientieren sich an den IUCN Reintroduction Guidelines. Schwerpunkte neben weiteren Migrationen werden unter anderem die Ausweisung geeigneter Waldrapp-Habitate, die Erstellung von Management Plänen, genetische Analysen der Zoopopulation und die öffentliche Meinungsbildung sein. Das erworbene Wissen soll die Grundlage bilden, um über die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit einer Wiederansiedlung der Waldrappe in Europa oder anderen Teilen des ehemaligen Verbreitungsgebietes zu entscheiden.
 
Weitere Informationen:
www.waldrappteam.at
 
 

16.01.2006,