Flussperlmuschel
Die Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) zählt zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Tierarten Österreichs und ist im Anhang II der FFH-Richtlinie angeführt.
Das Vorkommen der Flussperlmuschel beschränkt sich in Österreich auf kalkarme, sauerstoffreiche und saubere Fließgewässer im Mühlviertel, Waldviertel und in einigen wenigen Ausläufern der Böhmischen Masse südlich der Donau.Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts nehmen die Bestände drastisch ab. 1993 wurde der gesamtösterreichische Restbestand auf nur noch rund 50.000 Exemplare geschätzt, mittlerweile muss von einer weiteren deutlichen Abnahme ausgegangen werden. Die wenigen bekannten Populationen sind stark überaltert. Jungmuschelfunde sind inzwischen extrem selten geworden, da die Bedingungen für eine natürliche Reproduktion vielerorts nicht mehr gegeben sind.
Die vom Lebensministerium unterstützten Bemühungen um das Überleben der Flussperlmuschel begannen in den 90er-Jahren in Ober- und Niederösterreich. An der größten bekannten Flussperlmuschelbank in Oberösterreich wurde ein Nachzuchtprogramm gestartet, bei dem gezüchtete junge Bachforellen mit im Freiland gewonnenen parasitischen Muschellarven infiziert und danach im Gewässersystem ausgebracht wurden. Bald schon wurde hierfür ein spezieller autochthoner Stamm, die „Untermühlviertler Stammforelle“, herangezogen.
Vielfältige externe Einwirkungen im Einzugsgebiet und im Fluss selbst (Düngung von Fichtenforsten mit Löschkalk, Stauraumspülungen etc.) beeinträchtigten die Bemühungen, machten in der Folge die oben geschilderte halbnatürliche Vermehrung der Flussperlmuscheln unmögich und vernichteten teilweise die Erfolge der vorangegangenen Nachzuchtprojekte.
Auf Grundlage des mit finanzieller Unterstützung des Lebensministeriums organisierten Workshops wurde der Startschuss zur „Zukunftsvision Flussperlmuschel“ gegeben. Nur ein umfassendes Gesamtkonzept (Nachzucht, langfristige Betreuung der gewonnenen Jungmuscheln, Einzugsgebietsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit), dessen Umsetzung so rasch wie möglich erfolgt, bietet eine Chance zur Rettung dieser ehemaligen Charakterart unserer Urgesteinsbäche ist. Als erster Erfolg von "Zukunftsvision Flussperlmuschel" konnte 2009 nach mehreren Jahren vergeblicher Bemühungen 15 000 mit Flussperlmuschel-Glochiedien infizierte junge Bachforellen ausgesetzt werden.
Da neben dem allgemeinen Lebensraumverlust auch Wohnabwässer mit organischen Stoffen sowie Dranagewässern aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen für den Rückgang der Flussperlmuschel verantwortlich sind, wurde die Effizienz eines bepflanzten Bodenfilters untersucht, der als „biologische Kläranlage“ verwendet werden kann. Die Ergebnisse machten deutlich, dass ein bepflanzter Bodenfilter in der Lage ist, überschüssige Nährstoffe sehr effizient abzubauen. Zugleich konnte gezeigt werden, dass auch natürliche Feuchtgebiete sehr hohe Klärkapazitäten aufweisen.
Im Rahmen der laufenden Biodiversitätskampagne des Lebensministeriums wird im Mühlviertel am Daglesbach ein ein neuer Versuch unternommen mittels künstlicher Infektion junge Muschelbestände aufzubauen.
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Fachgruppe unter www.flussperlmuschel.at
oder auf der Homepage des Büros des Projektkoordinators C. Gumpinger, www.blattfisch.at
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Endbericht Bodenfilter (PDF 654,88 kB )
30.11.2009,


