Großer Brachvogel in Vorarlberg
Der Große Brachvogel (Numenius arquata), der österreichweit vom Aussterben bedroht ist, brütet in kompakten, extensiv genutzten Streuwiesenkomplexen mit hohem Grundwasserspiegel, die möglichst offen und gut überschaubar sein sollten.
Eine der bedeutendsten Populationen des Großen Brachvogels in Österreich und sein einziger Brutbestand im Bodenseeraum findet sich in den Streuwiesenkomplexen des nördlichen Rheintals in Vorarlberg. Der sehr schlechte Bruterfolg des Großen Brachvogels und die Bestandesrückgänge anderer Wiesenvögel belegen die inzwischen schlechte Lebensraumqualität dieser Gebiete.Das "Managementkonzept für den Großen Brachvogel in Vorarlberg" wurde vom Naturschutzbund Vorarlberg im Auftrag von Vorarlberger Landesregierung und Lebensministerium erstellt und ist Grundlage für das Projekt "Management für den Großen Brachvogel". In diesem von den selben Geldgebern getragenen Folgeprojekt erhob der Naturschutzbund Vorarlberg zusätzliche Informationen zu Gelegeverlusten, setzte Verbesserungsmaßnahmen um und kontrollierte den Erfolg
In den Gebieten Im Porst, Rheindelta, Birken-Schwarzes Zeug, Gsieg und Gleggen konnten durch gezielte Entbuschungen offene Bereiche vergrößert werden. Im Gsieg wurden Grabenböschungen stellenweise abgeflacht und der Hauptgraben in der Brutzeit aufgestaut. Im Lauteracher Ried und Soren werden 12 ha ehemals intensiv genutzter Wiesen extensiviert. Im Birken werden zwei Flächen in Streuwiesen umgewandelt. Die Sperrung von Stichwegen führt zu einer Beruhigung im Gsieg und in der Kernzone des Lauteracher Rieds.
Nach dem massiven Bestandesrückgang des Großen Brachvogels seit den 1960er Jahren stabilisierte sich der Brutbestand im Projektzeitraum von 1999-2004 auf 18-22 Reviere. Der Bruterfolg lag jedoch zwischen 0,05 juv./Bp. (2001) und 0,32 juv./Bp. (2003) und reicht für die Erhaltung des Bestandes nicht aus. Ein hoher Anteil der Brachvogel-Gelege fällt vermutlich Raubsäugern zum Opfer. Denn 85% aller mit Temperatur-Fühlern dokumentierten Gelegeverluste geschahen in der Dämmerung oder Nacht. Ein Fuchs und ein Dachs wurden von der Überwachungskamera dabei gefilmt.
Trotz zahlreicher Verbesserungen beeinträchtigen niedrige Grundwasserspiegel, hohe Gehölzbestände und intensiv genutzte Landwirtschaftsflächen die Brutgebiete des Großen Brachvogels. Seine Beutegreifer profitieren als Generalisten hingegen davon, was sich auf die geschrumpfte und "aufgesplitterte" Brachvogelpopulation besonders stark auswirkt. Weitere Lebensraumverbesserungen sind deshalb notwendig. Die gute Zusammenarbeit im Laufe des Projektes förderte das Interesse für Wiesenvogelschutz bei Betroffenen und Verantwortlichen vor Ort - eine gute Voraussetzungen für weitere Umsetzungen.
Weitere Infos:
vorarlberg@naturschutzbund.at,
www.naturschutzbund.at/landesgruppen.html
30.11.2009,



