Seeadler
Der Seeadler (Haliaeetus albicilla) wird in Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie angeführt, was bedeutet, dass für seine Erhaltung entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen und Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Gemäß der Roten Liste Österreichs ist die Art "vom Aussterben bedroht"
Über 50 Jahre war der Seeadler in Österreich als Brutvogel ausgestorben. Im Winter 1945/46 wurde die letzte erfolgreiche Brut in Österreich nachgewiesen. Seither kamen Seeadler nur noch als Wintergäste aus Nord- und Osteuropa an die großen, nahrungsreichen Gewässer in Ostösterreich. In den letzten Jahren vor dem Beginn des Seeadlerprojektes wurden jeweils bis zu 40 überwinternde Tiere festgestellt.Illegale Bejagung, Störungen am Brutplatz durch Jagd, Forstwirtschaft und Tourismus sowie der Verlust geeigneter Lebensräume waren die hauptsächlichen Gründe für sein Verschwinden. Vor allem Ende der 1990er Jahre kamen Vergiftungen durch illegal ausgelegte Giftköder hinzu.
Ein eigenes Seeadlerprojekt macht es seit dem Jahr 2000 möglich, intensiv am Schutz des Seeadlers in Österreich zu arbeiten. Dieses groß angelegte Vorhaben wird von Lebensministerium und WWF getragen und von BirdLife Österreich, der Niederösterreichischen und Burgenländischen Landesregierung, dem Naturhistorischen Museum Wien, dem Verteidigungsministerium, den Nationalparken Donau-Auen und Neusiedler See - Seewinkel und vor allem von vielen freiwilligen Beobachtern maßgeblich unterstützt.
Grundpfeiler des Seeadlerprojektes ist ein umfangreiches Monitoring-System. In diesem österreichweiten werden alle Seeadler-Meldungen gesammelt. Diese Daten erlauben eine bestmögliche Einschätzung von Winterbestand und Verbreitung. Brutversuche können so möglichst bald erkannt, überwacht und bei Gefahr geschützt werden.
Darüber hinaus wurde die Aufklärungsarbeit gegen illegale Giftköder intensiviert. Seit dem Jahr 2000 fielen in Österreich 8 Seeadler diesen - großteils mit dem Pestizid Carbofuran - präparierten Ködern zum Opfer. Da Seeadler vor allem im Winter auch Aas fressen, sind sie besonders gefährdet. Darum wurde vor Jahren die Aktion "Vorsicht Gift!", die von Lebensministerium und WWF getragen und von der Jägerschaft unterstützt wird, ins Leben gerufen. Leider stellen Vergiftungen weiterhin ein Problem dar und erfordern nachhaltige Maßnahmen.
Durch die gemeinsamen Bemühungen konnten in den letzten Jahren in Ostösterreich die Lebensraumverhältnisse für den Seeadler ganz entscheidend verbessert werden. Nach ersten erfolglosen Brutversuchen kam es im Winter 2000/2001 zum ersten erfolgreichen Brut in Österreich seit 1946. Zwischen 2001 und 2007 ist die Zahl der heimischen Brutpaare auf 6 angewachsen, 31 Jungadler sind in diesem Zeitraum flügge geworden! Zugleich ist die Zahl der in Österreich überwinternden, nord- bzw. osteuropäischen Seeadler von 40 auf 100 bis 120 Stück angestiegen.
Das Lebensministerium hat diesen großen Erfolg des österreichischen Naturschutzes nicht nur durch beträchtliche finanzielle Unterstützung der Förderprojekte möglich gemacht, sondern vor allem mit der Errichtung der Nationalparke Neusiedlersee, Donau-Auen und Thayatal die nötigen großflächigen Schutzgebiete geschaffen. Gemeinsam mit dem WWF-Reservat bei Marchegg bieten diese ein Netzwerk hochwertigster Lebensräume, welches auch für die weiträumig agierenden Spitzen der Nahrungspyramide ausreichenden Lebensraum bereitstellt.
Weitere Infos:
c.baumgartner@donauauen.at
bernhard.kohler@wwf.at
www.donauauen.at
www.wwf.at/Projekte/artenschutz/seeadler
Erfassung von Seeadlerbeobachtungen: http://panda.wwf.at/seeadlerprojekt.html
09.01.2008,


